Firma Schuchmann: Ein "Hidden Champion" aus Bissendorf

Veröffentlicht am: 19.12.2023
Autor: Gemeinde Bissendorf/Schäfer

Firmenbesuch SchuchmannLandrätin Anna Kebschull, Bürgermeister Guido Halfter (1. u. 2.v.l.) sowie WIGOS-Geschäftsführer Peter Vahrenkamp (2.v.r.) beim gemeinsamen Besuch der Firma von Miriam und Thorsten Schuchmann.©Gemeinde Bissendorf/Schäfer Menschen mit Behinderungen sind vielen Einschränkungen unterworfen. Das betrifft besonders Kinder und Jugendliche. Für sie gibt es kaum passende Rehatechnik. „Wir haben hier ein echtes Nischenprodukt“, sind sich Miriam und Thorsten Schuchmann sicher. Sie führen gemeinsam die Firma Schuchmann GmbH & Co.KG, die sich genau auf Rehatechnik für Kinder und Jugendliche spezialisiert hat. Gemeinsam mit Landrätin Anna Kebschull und WIGOS-Geschäftsführer Peter Vahrenkamp besuchte Bürgermeister Guido Halfter Ende November das Unternehmen, um sich ein Bild von der Situation dieses Hidden Champions zu machen.

160 Mitarbeiter haben Miriam und Thorsten Schuchmann mittlerweile, Tendenz steigend. Das Ehepaar führt sein Familienunternehmen in zweiter Generation. Mit ihren selbstentwickelten Produkten hat sich Schuchmann in den letzten Jahren zu einem weltweit führenden Unternehmen in seiner Nische entwickelt.

Foto 2 SchuchmannMiriam und Thorsten Schuchmann erläutern die auf die Bedürfnisse ihrer Kundschaft ausgerichteten Produkte.©Gemeinde Bissendorf/Schäfer Als „Prinzip Passschraube“ beschreiben beide ihr Konzept. Das bedeute vor allem Detailverliebtheit in der Entwicklung. „Bei uns steht Qualität im Mittelpunkt“, so Thorsten Schuchmann. „Das Produkt muss zum Kind passen und die Ziele des Kindes bestmöglich unterstützen.“ Dafür arbeiten die Ingenieure eng mit den Kindern und deren Eltern zusammen. Von Stuhl- und Stehsystemen bis hin zu Dreirädern werden alle Produkte individuell auf den Patienten angepasst. Die Entwicklung hat dabei immer die Situation der kleinen Kunden im Blick. Aktuell befindet sich beispielsweise ein neues dreirädriges Liegerad kurz vor der Serienreife, das auch Kunden ohne Einschränkungen begeistern könnte. Und auch absolute Einzelstücke wie ein Fahrrad für eine Frau ohne Arme hat das Unternehmen entworfen und produziert.

Mit einer Exportquote von mittlerweile gut 30 Prozent hat sich Schuchmann mit seinen Produkten über die Grenzen Deutschlands hinaus einen hervorragenden Ruf erworben. „England ist unser stärkster Markt“, so Thorsten Schuchmann. Der Brexit sei in diesem Zusammenhang kein besonders großes Problem gewesen. „Das Gesamtrisiko ist da, aber machbar“, meinte Miriam Schuchmann.

Aber nicht nur neue Rehatechnik wird in Bissendorf gefertigt. Die Produkte von Schuchmann sind mehrfach nutzbar. Im Durchschnitt drei bis dreieinhalb Mal kommen die Geräte zum Einsatz. Das hat die AOK Bayern überprüft. Im Werk werden dann die benutzten Stühle oder Dreiräder aufgearbeitet und kommen erneut zum Einsatz.

Die Firmengeschichte von Schuchmann beginnt vor 40 Jahren mit der „ERGA Rehabilitationstechnik“ in Bissendorf. Als Gehrmeyer-Schuchmann kombinierte das Unternehmen viele Jahre die Produktion und Entwicklung von Rehatechnik mit eigenen Sanitätshäusern. Vor mehr als 20 Jahren trennten sich die Familien jedoch, was zu einem Neustart und letztlich der Gründung der Schuchmann GmbH & Co. KG führte. Zwischenzeitlich hatte Schuchmann Niederlassungen und Vertriebskanäle in Frankreich, Japan, dem Vereinigten Königreich, Schweden, Norwegen, der Schweiz und weiteren Ländern aufgebaut.

Nach Bissendorf ist das Unternehmen allerdings erst 2020 in das Gewerbegebiet „Beetkamp“ zurückgekehrt. Zuvor war ihm in Gaste der Platz für die nötige Erweiterung ausgegangen. Eine Fläche neben dem damaligen Standort war seinerzeit nicht zu bekommen. In Bissendorf sei das anders gewesen, betonten Miriam und Thorsten Schuchmann. Keine sechs Wochen habe man verhandelt, berichteten die Unternehmer und lobten erneut die sehr direkte Kooperation mit der Verwaltung der Kommune.

Das Problem fehlender Flächen soll es im Landkreis Osnabrück möglichst nicht geben. „Wir versuchen großen Wert auf das Branchenmanagement zu legen“, sagte Kebschull. Der Landkreis habe immer noch viel Potenzial, ist sich die Landrätin sicher. Gleichzeitig werde auch rund um Osnabrück der Flächendruck immer größer.

Der jetzige Standort hat neben der Stadtnähe, dem Autobahnanschluss direkt vor der Tür und der äußerst günstigen Infrastruktur auch noch einen weiteren großen Vorteil. „Wir haben häufiger Kinder und ihre Eltern bei uns zu Besuch“, sagte Miriam Schuchmann. Die würden die grüne Umgebung des neuen Standorts ebenso schätzen wie die Mitarbeiter.

Ein allgemeines Thema familiengeführter Unternehmen wollten Schuchmanns allerdings noch mit dem Wirtschaftsförderer besprechen. Der Rückzug von Unternehmern aus dem Wirtschaftsalltag. „Viele verkaufen“, fasste Miriam Schuchmann die Situation zusammen. Immer wieder höre sie von Kollegen, dass diese den Alltag als Unternehmer nicht mehr leben wollten. Gemeinsam mit ihrem Mann habe sie sich gegen diese Entwicklung entschieden. „Wir haben uns sehr klar committed“, ergänzte Thorsten Schuchmann klar. „Es ist für uns eine Herzensangelegenheit.“ Dennoch sei es aber trotz den positiven Entwicklungen eine Herausforderung, langfristige Entscheidungen ohne Fremdinvestoren zu planen und zu leisten.

Stolz sind die Schuchmanns in diesem Zusammenhang auf ihre „Sinn-Kampagne“. Sie leben vor, was sie von anderen erwarten. „Das kommt bei den Mitarbeitenden gut an, da können wir punkten“, so Thorsten Schuchmann. Und das ist im Wettbewerb um die menschlichen Ressourcen wichtig. „Wir haben in der Region viele Konkurrenten, vor allem die Auto- und Landmaschinenindustrie.“ Gleichzeitig ist sich die Unternehmerfamilie auch ihrer sozialen Verantwortung bewusst: Reitsport, Basketball, Handball – viele regionale Vereine freuen sich über das Sponsoring der Firma Schuchmann. „Für Bissendorf und die ganze Region ist es wertvoll, Unternehmer zu haben, die sich einsetzen“, lobte Kebschull. „Wir sind Ihnen zu großem Dank verpflichtet, dass Sie das tun.“

Um diesen Weg weiterzugehen sind bei Schuchmann bereits nach drei Jahren im „Beetkamp“ wieder die Bagger vorgefahren. „Wir bauen derzeit eine zweite Halle“, stellte Miriam Schuchmann den Gästen das neue Bauvorhaben vor. 3.000 Quadratmeter neue Lager- und Produktionsfläche werden schon bald in den Arbeitsalltag integriert werden. Die Fertigstellung ist für April 2024 geplant.